Beschreibung des Aufgabengebietes
Ziel des paritätisch besetzten Ausschusses ist es, klimarelevante Daten (insbesondere Treibhausgas-Äquivalente), die auf Basis existierender Grundlagen ermittelt wurden, mit den Positionen der LB-VI in der jeweils aktuellen Version, so zu verbinden, dass eine ökologische Richtbewertung eines Projektes anhand des Leistungsverzeichnisses automatisiert über gängige Bausoftwareprogramme durchgeführt werden kann.
Die artikelbasierten Kalkulationsansätze der Positionen zur Kennwertermittlung beruhen auf generischen Werten, die aus qualifizierten Datenbanken entnommen werden und somit eine Richtbewertung liefern, die ausdrücklich nicht dazu bestimmt ist, Bestandteil eines konkreten Bauvertrages zu werden.
Die Öko-Daten können in der Planungs- und Ausschreibungsphase als Instrument zur Optimierung der Nachhaltigkeitsaspekte eines Projekts genutzt werden. Die Dokumentation der Kennwertermittlung ermöglicht die Ableitung projektspezifischer Maßnahmen zur nachhaltigen Projektumsetzung.
Durch die intensive Anwendung der LB-VI im Infrastrukturbereich wird angestrebt, in Verbindung mit den Öko-Daten einen Branchenstandard zu definieren, der auch für weitere Sachgebiete des Bauwesens Anwendung finden kann.
Arbeitsschwerpunkte des vergangenen Jahres
Im ersten Schritt eine Priorisierung der zu bewertenden Leistungsgruppen (LG), Unterleistungsgruppen (ULG) und Leistungspositionen (Pos) der LB-VI und eine erste Auswahl für nicht zu bewertende LG, ULG und Pos getroffen. Dazu wurde eine statistische Auswertung zur prozentuellen Verwendung der LG, ULG und Pos der LB-VI in Ausschreibungen von relevanten Bauprojekten durchgeführt (Auswertung von insgesamt 5.800 Bauprojekten durch ÖBB, ASFINAG, Stadt Wien und Statistik Austria).
Als weiterer Aspekt zur Identifizierung der zu bewertenden bzw. zu verknüpfenden Positionen wurde das Verbleiben der verwendeten Baustoffe im fertiggestellten Bauwerk festgelegt. Positionen ohne direkten Materialanteil im Bauwerk wurden wie Vor- und Nebenleistungen derzeit nicht miteinbezogen und liegen somit außerhalb der Systemgrenzen (z.B. temporäre Baugrubenverbauungen).
Für die Verknüpfung der LB-VI-Elemente (LG, ULG, Pos) wurde ein "artikelbasierten Ansatz" gewählt, dabei wurden aus Standardkalkulationen für LB-VI-Elemente mit den darin angewandten Kalkulationsansätze und Artikeln die Bedarfsmenge der Artikel je Mengeneinheit einer Leistungsposition unter Einbeziehung bautechnisch relevanter Parameter (z.B. Materialmehrverbräuche) ermittelt. Für Positionen, bei denen die Materialbeistellung durch den Auftraggeber erfolgt, wurden die erforderlichen Artikel ebenfalls angesetzt, bei mehreren in Frage kommenden Artikeln mit Bildung eines Mittelwertes.
Die Artikel des aus der Positionskalkulation resultierenden Artikelkataloges wurden kategorisiert und wenn möglich GWP-Kennwerte aus dem ÖKO-Datenkatalog der ÖBV (Version 2.0) zugewiesen. Die Erkenntnisse dieser ersten Verknüpfung wurden an den ÖBV-Arbeitskreis "Ökodaten" übermittelt, um den Datenbestand um weitere, priorisiert erforderliche Baustoffe zielgerichtet ergänzen zu können.
Mit dieser Methode konnten 3.615 Positionen, die hinsichtlich der verwendeten Materialien vollständig bewertbar waren, mit dem Kennwert "GWP-gesamt" in den Phasenwerten A1 bis A3, A4, A5 und C1 bis C4 versehen werden. Dieser Kennwert ist für die Positionen im ÖNORM A 2063 Datenformat ".onpr" verfügbar und auch in einer filterbaren Excel-Tabelle dargestellt.
Für die verwendeten Artikel wurde ebenfalls eine Excel-Tabelle die den Kennwert je Mengeneinheit, den Referenzbaustoff und die Kategorie der ASFINAG-THG Baustellenbilanzierung beinhaltet, erstellt. Die Bedarfsmengen der Artikel je Position wurden in K7-Blättern dokumentiert.
Die erste Version der Öko-Daten zur LB-VI als Datenbestand ist seit Jänner 2026 über den FSV-Shop beziehbar, das FSV-Arbeitspapier Nr. 40 "Bericht Ökodaten-Richtwerte zur LB-VI" wurde am 1. Februar 2026 publiziert.
Ausblick auf zukünftige Vorhaben
Die weitere Versionierung der Öko-Daten zur LB-VI wird entsprechend der laufenden Positionsbearbeitung und der Entwicklung der verfügbaren Artikelkennwerte erfolgen.